Ableben Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Ratzenböck
Ehrenwache. Ehrensache. Für einen ganz großen Oberösterreicher!
Im Jubiläumsjahr 2025 haben wir 70 Jahre Bundesheer gefeiert. Aus diesem Anlass hatte Brigadier Dieter Muhr, Militärkommandant von Oberösterreich, noch die Gelegenheit, Herrn Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Ratzenböck, seine Fragen zu diesem Thema zukommen zu lassen. Seine liebe und treue Gattin Anneliese hat ihm die Fragen noch vorgelesen und dem Militärkommandanten von Oberösterreich die Antworten geschickt. Sein Sohn Josef hat sie dabei tatkräftig unterstützt. Herr Landeshauptmannstellvertreter a.D. Franz Hiesl war so nett und hat die Verbindung hergestellt. Vielen herzlichen Dank dafür.
Hier nun die Fragen und Antworten:
In Oberösterreich ist der Zweite Weltkrieg im Mai 1945 zu Ende gegangen, indem russische und amerikanische Truppen unser Bundesland besetzten. Stellenweise kam es noch zu Widerstand und zu Kämpfen. Wie haben Sie selbst den Zweiten Weltkrieg und das Kriegsende in Oberösterreich erlebt?
Dr. Josef Ratzenböck: Ich habe den Krieg als Bedrohung unseres Lebens und unserer Zukunft empfunden. Man hat uns als 15jährige Buben unausgebildet Waffen in die Hand gedrückt und wollte damit den Einmarsch der US-Armee stoppen. Die Amerikaner haben ihre Kanonen einige Kilometer von meinem Heimatort in Stellung gebracht und wollten Neukirchen zusammenschießen. Wir haben rechtzeitig die weißen Fahnen aufgezogen. Die Befreier waren uns willkommen.
Oberösterreich war ja in der Zeit von 1945 bis 1955 von den Amerikanern und den Russen besetzt. Das war die sogenannte Besatzungszeit, die von Einschränkungen, von Entbehrungen und vom Wiederaufbau gekennzeichnet war. Wie haben Sie die Besatzungszeit Oberösterreichs erlebt? Welche Rolle hat für Sie das amerikanische Militär für den Wiederaufbau Oberösterreichs gespielt? Wie war das im Vergleich mit den Russen und deren Besatzungszone im Mühlviertel?
Dr. Josef Ratzenböck: Wir hatten die amerikanische Besatzung als Glück empfunden, denn aus dem Mühlviertel gab es schlimme Nachrichten von den Russen. Der Mühlviertler Landtagsabgeordnete Johann Blöchl konnte aber mit den russischen Besatzern sehr gut verhandeln und ausgleichend wirken. Ich bin damals als Student mit der Bahn Linz-Wien gefahren. Die Demarkationslinie an der Enns zu passieren war sehr aufregend. Ich habe die Amerikaner als Befreier und die Russen als Besetzer erlebt.
Die Russen begannen bald nach Kriegsende, Industrieanlagen zur Wiedergutmachung als sogenanntes Deutsches Eigentum zu beschlagnahmen und nach Russland abzutransportieren. Das war jedoch für den Wiederaufbau Österreichs so wichtig. General Mark W. Clark war in der Zeit zwischen 1945 bis 1947 US-Hochkommissar für Österreich und hat den Abtransport durch die Verstaatlichung verhindert. General Clark hat sich auch um die Ernährung der hungernden Bevölkerung verdient gemacht. Er wurde zum Ehrenbürger aller oberösterreichischen Gemeinden erklärt und erhielt noch zusätzlich Würdigungen in unserem Bundesland. Wie sehen Sie die Rolle des amerikanischen Militärs beim Staatsaufbau Österreichs? Wie schätzen Sie die Jahre von General Mark W. Clark als Hochkommissar für Oberösterreich ein?
Dr. Josef Ratzenböck: Als Maturanten und Studenten waren wir alle politisch sehr interessiert. Wir wussten um die Bemühungen der Verdienste von General Mark W. Clark. Ich bin ihm nie begegnet, aber man darf ihn gerade in Oberösterreich nie vergessen! Es galt ja zuerst den Hunger und die wirtschaftliche Not zu besiegen und da wurde konstruktive Hilfe geleistet!
Die bewaffnete Neutralität und die Schaffung des Bundesheeres zur Verteidigung gelten als Bedingungen der Alliierten für den Staatsvertrag, für deren Abzug und damit für die Freiheit unseres Landes 1955. Zunächst wurde die sogenannt B-Gendarmerie ab dem Jahr 1952 ins Leben gerufen, die dann mit der Befreiung Österreichs 1955 in das Bundesheer umgegliedert wurde. 1955 gilt somit als Geburtsjahr des Österreichischen Bundesheeres, dessen Jubiläum wir heuer feiern. Wie haben Sie die Alliierten erlebt, wenn es um die militärische Landesverteidigung Österreichs gegangen ist? Wie haben Sie die Geburtsstunde des Bundesheeres in Oberösterreich erlebt?
Dr. Josef Ratzenböck: Mit dem Staatsvertrag bekamen wir ein Bundesheer. Das gab Sicherheit für die neutrale Zukunft unseres Landes. Einige meiner Freunde, die bei der Bundesgendarmerie waren, kamen dann als stolze Bundesheersoldaten nach Hause. Eine wichtige und bedeutsame Entscheidung für unser Land.
Was wünschen Sie dem Bundesheer, seinen Soldaten und deren Bediensteten für die Zukunft? Hätten Sie vielleicht eine Grußbotschaft für uns?
Dr. Josef Ratzenböck: 70 Jahre ist ein starkes Jubiläum. Ich wünsche unserem Bundesheer eine zeitgemäße Erneuerung und Entwicklung, damit es weiterhin seine vielfachen Aufgaben für unser Land erfüllen kann.

