Für den Befehlsbereich 4 OBERÖSTERREICH

Der Seelsorger

Jede und jeder hat verschiedene Gewohnheiten beim Essen. Bei der Frage, ob jemand frühstückt oder zu Abend isst oder jausnet, sind die Antworten sehr unterschiedlich. Jedoch zu Mittag gehen die meisten essen. Hier hören wir oft „Mahlzeit“. Dass das Wort Mahlzeit unterschiedliche Bedeutungen haben kann, liefert die Antwort unser Militärseelsorger Johannes. Wir haben ihn um einen Beitrag zu „Gesegnete Mahlzeit“ gebeten. Lesen sie seine Antwort mit persönlichen Eindrücken und Anekdoten, die ihm widerfahren sind.

GESEGNETE (MAHL)ZEIT !
Ich durfte in den 1960er Jahren in Wien als ältester einer großen Familie aus dem oö Hausruckviertel aufwachsen. Mein Vater, ein Postbeamter im höheren Dienst, der auf gemeinsames Mittagessen und auf gute Tischmanieren bei meinen drei Schwestern und mir sehr, sehr großen Wert legte, begann jede gemeinsame Mahlzeit – erst nachdem alle um den Tisch versammelt waren – mit dem Rufe „Mahlzeit“: erst dann wurde gegessen. Als Technik-Student arbeitete ich in den Ferien in einer großen Firma und wunderte mich nicht wenig, als ich diesen Ruf: „Mahlzeit“ als Grußformel von 10:00 Uhr vormittags bis in den späten Nachmittag hörte, ohne dass es da etwas zu verspeisen gab. Mein ehrlicher Gruß: „Guten Morgen“ um etwa 10:30 Uhr wurde da von einer Mitarbeiterin fast als Beleidigung aufgefasst. (Fettnäpfchen Nr. 1). Als fast 30-Jähriger trat ich in eine Klostergemeinschaft ein und da hörte ich kurz vor dem Essen den kompletten Wunsch: „Gesegnete Mahlzeit“ und verstand den Ursprung und tieferen Sinn dieses Grußes: Die Mittagsstunden mögen von Glück gesegnet sein, also nicht nur die „Verdauung von Speisen“.

Als mir in der Kaserne – nachdem ich gut 20 Jahre nach meinem Grundwehrdienst wieder in den Dienst unseres Bundesheeres trat – ein höherer Kommandant „Mahlzeit“ zurief, antwortete ich spontan und gut gelaunt: „Und zwar eine gesegnete…!“ So ehrlich dieser Wunsch auch gemeint war, er wurde leider nicht verstanden und der Blick meines Gegenübers verfinsterte sich für eine kurze Zeit. (Fettnäpfchen Nr. 2) Jetzt verstehe ich auch besser, warum manche unserer Zeitgenossen einander in der Frühe nur mehr „Morgen!“ und nicht „Guten Morgen!“ zurufen.

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